Schlaglöcher auf der Datenautobahn

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Sicher, die Metapher von der Datenautobahn ist alt und kritikwürdig. Nichtsdestotrotz möchte ich sie heranziehen für eine Geschichte die ich etwa einmal im Monat erlebe.
Ich fahre in letzter Zeit öfter nach Hamburg, immer mit dem Bus. Im Gegensatz zur Bahn und den zahlreichen Mitfahrgelegenheiten bietet mir dieses Verkehrsmittel einen Service, der an anderen Orten selbstverständlich ist oder es zumindest sein sollte. Es gibt kostenfreies WiFi. In den 4-6 Stunden die ich brauche um einmal durch die halbe Bundesrepublik zu reisen kann ich viele Dinge tun. Ich kann auf meinem Lieblingsonlineportal Mathmatik lernen, das Weltgeschehen in unzähligen Blogs und Nachrichtenseiten verfolgen, oder diese beiden Vorhaben auf Youtube und Twitter verprokrastinieren. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis hält das Versprechen vom ungestörten Zugang zum weltweiten Informationsverkehr keine 5 Minuten. Die Verbindung von meinem Mac, dem Tablet und dem Smartphone zum buseigenen WLAN klappt stehts tadellos. Doch dreht sich das in der Regel nur kurz erscheinende „Syncronisations-Icon“ meines Mailprogramms verdächtig lange. Ein Starten des Browsers bestätigt den Verdacht. Keine Verbindung.
Etwas enttäuscht warte ich geduldig, während sich mein Fortbewegungsmittel durch das grüne Herz Deutschlands bewegt. Dann und wann erreicht mich eine Nachricht auf Telegram, oder eine Mail kommt an. Mehr ist nicht drin. Denn während die sichtbare Infrastruktur gut ausgebaut und bequem zu befahren ist, tut es ihr die unsichtbare, die digitale Infrastruktur nicht gleich. Es ist in etwa so als würde man sich auf dem Trampelpfad des 21. Jahrhunderts bewegen, welcher direkt neben der physischen Landstraße verläuft, sie ab und an kreuzt und manchmal ganz woanders langführt
fast schon hat man das Hufgeklapper einer sich über eine mittelalterliche Straße bewegenden Kutsche in den Ohren.
Kaum befinde ich mich dann ab der Hälfte der Strecke endlich auf der Autobahn ist zum Glück die Verbindung für länger als 20 Sekunden da. Zumindest hält sie so lange das ich beispielsweise ein VSauce-Video schauen kann. Für längeres reicht es nicht, gelegentlich ist immermal ein Abbruch. Filme, Podcasts, große Webseiten, alles bricht ab. Ich durchfahre quasi die Schlaglöcher der digitalen Autobahn.
Im Gegensatz zu seinem Pendant auf der realen Straße kann man dieses Schlagloch jedoch nicht durch eine geschickte Lenkbewegung umfahren, da man es A) nicht sieht und B) alle Versuche es durch artistische Bewegungen des mobilen Endgerätes zu umgehen kläglich scheitern.
Es bleibt also nur die Möglichkeit _alles_ was man sehen, hören oder lesen möchte daheim vorzuladen und eine entsprechend große Speicherkarte als Stoßdämpfer einzubauen.
Das ist zwar ein hinnehmbarer Kompromiss, dann brauche ich aber auch das kostenlose WiFi nicht.

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