16.04.2021 13:13

"Doing Color" mit AI

Technik

Ich schaue gerade die Doku "Damals in Amerika" von Lucy Ridout.

Es fasziniert mich, dass hierbei das Filmmaterial in Farbe ist. Ich bin mir nicht sicher, aber Filmmaterial und insbesondere private Aufnahmen aus den 1920er Jahren können eigentlich nicht in Farbe sein. Ich frage mich, ob das von Hand koloriert wurde, kann es mir aber kaum vorstellen. Doch was genau ist eigentlich das Problem, wenn altes Filmmaterial nachträglich koloriert wird? 

Vor einiger Zeit habe ich mal von einer Machine-Learning basierten Technik gehört, die altes Filmmaterial aufwerten und kolorieren kann.

Es ist zwar faszinierend, 100 Jahre alte wackeligen Film in Farbe zu sehen und die gesamte Doku ist unglaublich immersiv. Die Frage aber ist, wie historisch korrekt die Kolorierung? Zum Beispiel habe ich vor einiger Zeit den automatisiert nachkolorierten Film "Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat"gesehen. Der Zug war schwarz, da offenbar das Trainingsmaterial für das maschinelle lernen aus schwarzen Zügen bestand. Tatsächlich aber war der konkrete Zug grün lackiert. Ich bin also etwas vorsichtig mit einer Einschätzung, ob das, was hier nachkoloriert ist, die Zeitgeschichte korrekter wiedergibt als die originalen Schwarzweissaufnahmen.

Deutlich wird das Problem an den in der Doku gezeigten Aufnahmen von Industrieanlagen. Der Himmel darüber ist oft strahlend blau. War er das aber wirklich oder doch eher versmoggt grau? Solche Details bestimmen den Eindruck der Lebensverhältnisse der damaligen Zeit und wirken so selbstredend auch auf die Rezeption des gezeigten Materials.

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